Architektur und Grundsatzangelegenheiten
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Fraunhoferstr. 13

Fraunhoferstr. 13 und Fraunhoferstr. 13a

NEUBAU

Mehrfamilienhaus mit 17 Wohneinheiten, Tiefgarage und Autoaufzug

Fertigstellung: 2024

Projektname: Fraunhoferstr. 13a

Ein Haus im Hof

Hinter dem Vordergebäude entstand ein sechsgeschossiger Neubau mit 16 Wohnungen. Seine Lage im Blockinneren bietet eine ungewöhnliche Qualität: Trotz der zentralen Innenstadtlage entsteht hier eine ruhige, fast abgeschirmte Wohnsituation.

Der Entwurf reagiert auf eine komplexe Ausgangslage. Die angrenzenden Rückgebäude unterscheiden sich deutlich in Höhe und Fassadenflucht; zugleich sollte der ohnehin knappe Hofraum nicht weiter verengt werden. Die Bautiefe des Neubaus folgt daher den Fassadenkanten der Nachbargebäude und trägt dazu bei, den Hof räumlich zu fassen und gleichzeitig zu weiten.

Aus dieser Geometrie entwickelte sich das prägende Motiv des Hauses: eine durchgehende, geschwungene Balkonschicht. Sie vermittelt zwischen den unterschiedlichen Baukörpern und bildet zugleich einen räumlichen Filter zwischen Wohnung und Hof.

Die Balkone weiten sich in den Aufenthaltsbereichen der Wohnungen und verjüngen sich an den Wohnungstrennwänden. So entsteht ein Rhythmus aus Expansion und Verdichtung – eine subtile Balance zwischen Großzügigkeit und Privatheit. Dieses Prinzip wird auf beiden Hofseiten fortgeführt.

Wohnen zwischen zwei Höfen

Die 16 Wohnungen variieren in Größe und Typologie. Neben kompakten Zwei-Zimmer-Apartments entstehen großzügige Dachwohnungen mit weitläufigen Terrassen.

Eine besondere Rolle spielen die vier Wohnungen der unteren Geschosse: Sie sind als Maisonette-Typen organisiert und verbinden jeweils zwei Ebenen, die zu unterschiedlichen Höfen orientiert sind. Diese „Townhouses“ durchqueren das Gebäude gewissermaßen diagonal – jede Einheit besitzt einen privaten Außenbereich und gleichzeitig einen direkten Bezug zu den gemeinschaftlichen Grünflächen.

Farbe aus der Geschichte des Ortes

Die Fassadengestaltung greift eine unerwartete Entdeckung während der Sanierungsarbeiten auf. Im Dachraum des Vorderhauses fanden sich alte Fensterläden aus dem 19. Jahrhundert, deren ursprünglicher Anstrich einen hellen Grünton zeigte.

Dieser Farbton wurde zum Ausgangspunkt des Materialkonzepts. Vertikale Bänder aus jadegrünen Keramikfliesen rahmen die Balkonschicht und spannen sie zwischen sich ein. Auch die Balkonbrüstungen greifen den Ton auf. So entsteht eine zurückhaltende, aber prägnante Fassadenkomposition.

Gleichzeitig verweist die Farbigkeit auf die nahe gelegene Isar – den Fluss, der das Viertel historisch geprägt hat und dessen charakteristischer Grünton bis heute Teil der lokalen Identität ist.

Bauen im engen Stadtraum

Projekte auf innerstädtischen Hinterhofgrundstücken sind selten spektakulär sichtbar, dafür aber umso komplexer in Planung und Umsetzung. Grenzbebauungen, denkmalgeschützte Bestandsgebäude, artenschutzrechtliche Anforderungen, Belichtungsvorgaben und Brandschutz bestimmen die Entwurfsparameter ebenso wie infrastrukturelle Fragen – von der Unterbringung der Fahrräder bis zur Organisation der Müllräume.

Auch die Baustellenlogistik stellte besondere Anforderungen. Lagerflächen standen im Hof praktisch nicht zur Verfügung; Baugeräte mussten durch die historische Durchfahrt manövriert werden. Für die Kranaufstellung waren temporäre Anpassungen an der angrenzenden Tram-Oberleitung notwendig, und die Nähe zur U-Bahn erforderte zusätzliche gutachterliche Abstimmungen.

Solche Rahmenbedingungen führen dazu, dass jeder Quadratmeter präzise geplant werden muss – räumlich, konstruktiv und organisatorisch.

Qualität und Dauerhaftigkeit

Die Nachhaltigkeit des Projekts liegt weniger in spektakulären Technologien als in der architektonischen Grundstruktur. Die vorgelagerten Balkone wirken als konstruktiver Sonnenschutz und reduzieren die sommerliche Aufheizung der Wohnungen ohne zusätzliche technische Systeme.

Gleichzeitig zeigt das Projekt die Widersprüche des heutigen innerstädtischen Wohnungsbaus: Stellplatzsatzungen, Brandschutz- und Energieanforderungen führen oft zu materialintensiven Konstruktionen – etwa zu großen Tiefgaragen aus Stahlbeton.

Vor diesem Hintergrund wird die Qualität eines Gebäudes auch durch seine Dauerhaftigkeit bestimmt: durch robuste Materialien, sorgfältige Planung und eine räumliche Struktur, die langfristige Nutzung ermöglicht.

Fraunhoferstraße 13 ist damit weniger ein spektakuläres Einzelobjekt als ein präzise eingefügtes Stück Stadt – verborgen im Hof, aber eng mit der Geschichte und Struktur des Ortes verbunden.

Leistungsumfang: Leistungsphasen 1-5

Fotos: Wilson Ortiz, https://www.wilsonortiz.com/

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